Zwei Männer namens Ludwig

01.06.2018

Wer dem MYTHOS auf den Grund gehen will und neue Einblicke in die ‚bayerisch Ettaler Geschichte‘ versucht, stößt eventuell auf sein Buch. Klaus Höldrich hat eine echter Altettalerproduktion auf die Beine gestellt. Mit vier Gastbeiträge und ihm als Autor und Herausgeber ließ er sich etwas Besonderes für das Jahr der Landesausstellung in Ettal einfallen …

Fragen wie: Was ist das Besondere am Graswangtal? Was an Ettal inspiriert Menschen aus fernsten Ländern? Was in Ettal trifft den christlichen Kern über Zeiten hinweg? Zusammen mit den Altettalern Gernot Wieland, seinem Klassenkameraden in Kanada lebend, mit Michael Weiser, LXVI, Kultur-Chefredakteur im Nordbayrischen Kurier, Barbara Daisenberger, XCVIII, einer einfühlsamen Holzschnitzerin und dem jungen Abiturient und Wahljerusalemer in seinem Gap-Year Florian Buchardt, CIX, veröffentlichte Klaus Höldrich das Buch „Zwei Männer namens Ludwig“ zum Preis von 12.90 € mit der ISBN 978-80-906430-1-7.

Das Buch ist online noch nicht bestellbar, es liegt im Klosterladen zum Verkauf aus. Versandanfragen an p.thaddaeus@campus-ettal.de

Einige Leseproben:

Aus dem „Vorwort“

"Im Rückblick auf mein Leben weiß ich heute, über 60 Jahre danach, dass der Entschluss meines Vaters, mich gleich meinem Bruder nach Ettal aufs Gymnasium der Benediktiner zu schicken, mein Leben stark beeinflusst hat. Meine Mutter war kurz davor gestorben, der Vater krank aus Krieg und Gefangenschaft zurückgekehrt, nun nahm er mich am Tag vor meinem neuen Lebensabschnitt zur Seite und sagte, dass ich von nun an selbst zurechtkommen müsse, denn Latein und Mathematik seien seine Sache nicht. „Da kann ich dir nicht helfen.“

Das habe ich schnell begriffen. Ich kam gut durch meine Schulzeit, an die ich weit überwiegend positive Erinnerungen habe; zum Schluss kam das Abitur, das mich qualifizierte, im ersten Jahr des numerus clausus ein medizinisches Fach zu studieren. …"

Noch einmal aus dem „Vorwort“

"Als bekannt wurde, dass die jährliche Landesausstellung des Hauses der Bayerischen Geschichte im Kloster Ettal stattfinden werde mit dem Titel „Mythos Wald“, dachte ich mir nicht viel dabei, aber als nun deren Ausrichtung geändert wurde und „Wald, Gebirg und Königstraum – Mythos Bayern“ das Thema sein werde, war mir klar, dass es um zwei Männer gehen werde, beide Wittelsbacher, zwei Mal der gleiche Vorname, beide Fürsten ihres Landes. Der eine, Ludwig IV., Gründer des Klosters von Ettal, der andere Ludwig II., Schöpfer der Installation Linderhof, seit alters her zum Kloster gehörig und bis heute Gemeinde Ettal. Ihre Bauwerke sind einzigartig, die Gründungsidee und die Absicht, die mit Schloss und Park verbunden ist, ebenso, und das in einer kleinen Gemeinde von nicht einmal tausend Einwohnern, eine Besonderheit ersten Ranges."

Aus dem Kapitel „Mythos …“

"… Mein Vater erlernte den Beruf des Holzschnitzers, wie es in Oberammergau Tradition ist. Wir selber sprechen davon seltsamerweise recht despektierlich, denn wir nennen sie Schnitzler, die Tätigkeit heißt schnitzeln. Der Buchstabe „l“ macht den Unterschied: Wenn einer schnitzelt, bastelt, tüftelt oder werkelt, so macht das den Eindruck, die Kenntnisse seien eher selbst erlernt als durch eine planvolle Ausbildung erworben, wie man dem Grübler auch keine tiefen philosophischen Gedanken zutraut. Dass wir es so benennen liegt vielleicht daran, dass es – zu – viele gab, die nicht geeignet waren für diesen Beruf an der Grenze zwischen Handwerk und Kunst. Mein Vater ging zunächst zum Militär, verpflichtete sich länger, war am Kreiswehrersatzamt tätig und kam dann an die Ostfront. Einzelne Begebenheiten hat er fast täglich erzählt, ohne über das Große und Ganze zu reden, bis er überhaupt aufhörte darüber zu sprechen. Von Krieg und Gefangenschaft zurückgekehrt wandte er sich wieder der Arbeit mit Holz zu, machte seinen Meister und eröffnete 1949 einen Laden im Elternhaus. …"

Aus dem Kapitel „Der Alpenraum – Natur, Kultur, Konflikt“

"Am 3. April 2017 fand im Chorsaal von Kloster Ettal ein wissenschaftliches Kolloquium statt unter dem Thema „Der Alpenraum – Natur, Kultur, Konflikt.“ Neun Wissenschaftler hielten Vorträge zu diversen Gesichtspunkten wie Grenzen, die Hochlandideologie, über Holz und seine Nutzung, den Alpenverein oder über den Skitourismus, alles bezogen auf die Landesausstellung des Hauses der bayerischen Geschichte im Jahr 2018, die in Ettal stattfindet unter der Überschrift „Wald, Gebirg und Königstraum – Mythos Bayern“. Am Ende der Veranstaltung wurde über die beiden letzten Worte des Titels gesprochen, und es zeigte sich schnell, dass auch die Referenten nicht recht wussten, was mit diesem Begriff anzufangen sei und vorauf er sich beziehe.

Ein Mythos ist, so drückte es einer der Teilnehmer aus, eine Erfindung von Eliten mit dem Ziel, ihren Status als Eliten zu halten. Es sei niemals eine Idee der kleinen Leute gewesen, der Bauern oder Handwerker, sondern schon eher eine der Marketingleute, die damit erreichen wollen, dass zum Beispiel ein Produkt gekauft oder eine Reise gebucht wird. Die Nähe zum Klischee sei zu vermeiden, aber auch das ist ein wenig klarer Begriff. …"

 

 

Über den Autor: Klaus Höldrich, geboren 1947, besuchte von 1957 bis 1966 das Benediktinergymnasium Ettal. Nie verließ ihn bei seiner Arbeit als Zahnarzt die Liebe zur Heimat und die komplexe Geschichte des Ammertales. So ist er auch mit seinen Kindern Antonie (LXXV) und Korbinian (LXXVII) Höldrich Teilhaber am „Museumsladen Schloß Linderhof“ geworden und wird selbst offizieller Führer durch die Landesausstellung MYTHOS BAYERN vom 3. Mai bis 4. November in Ettal sein. Wer Interesse hat, von ihm mit seiner Gruppe durchgeführt zu werden, gebe bei der Kartenvorbestellung seinen Namen an.

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Pater Thaddäus Schreiber OSB