Malteser Sommerlager 2019 in Ettal

13.12.2018

Nach der Landesausstellung wartet 2019 gleich das nächste Großprojekt auf Ettal: Im August werden 500 Menschen aus 20 Ländern in Ettal an einem Sommerlager für behinderte Menschen teilnehmen. Ein Ziel: Gelungene Integration behinderter Menschen. Das Projekt wird von Altettalerin Amelie von Aulock, geborene Krecu, (XCIII) organisiert. Wir haben mit ihr gesprochen.

Was ist Malteser Sommerlager?

Das „XXXVI. Order of Malta International Summercamp for the disabled“ wie es offiziell heißt, von uns „Internationales Malteser Sommerlager“, IMS oder einfach Maltacamp genannt, ist ein Sommerlager für Menschen mit Behinderung aus der ganzen Welt. Es findet jedes Jahr in einem anderen Land statt. Stand meiner Kenntnis ist es mit 500 Teilnehmern und über 20 teilnehmenden Ländern sogar das größte internationale Jugendlager für Menschen mit Behinderung weltweit.

Wer kann teilnehmen? Was sind die Voraussetzungen? 

Grundsätzlich richtet sich das IMS an 18 – 35-jährige Menschen. Für sie gibt es 3 Formen der Teilnahme. Ein Mensch mit Behinderung kann als Gast in einem der teilnehmenden Länderteams mitfahren. Er wird begleitet von einem Helfer, einem jungen Menschen, der sich für diese Woche zur Aufgabe macht, dem Gast jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Gemeinsam verbringen Gast und Helfer die Woche – man tanzt, entdeckt Ettal und seine unmittelbare Umgebung, und erlebt Abenteuer. Wie der Name schon sagt, hat der Helfer auch eine unterstützende Funktion: er hilft gegebenenfalls bei der Körperhygiene, bei der Nahrungsmittelaufnahme, beim Ankleiden etc. Darüber hinaus gibt es noch die Möglichkeit, im Staff-Team mitzuwirken.  Das 100-köpfige internationale Staff-Team stellt den erfolgreichen Ablauf des Camps sicher. Das Aufgabenspektrum erstreckt sich vom Bau von Rampen, über Einweisung der Busse zu nächtlichen Barschichten.

Es kann jeder mitmachen, der im o.g. Alter ist, Lust auf eine außergewöhnliche Woche hat und offen dem christlichen Glauben gegenübersteht.

Seit wann gibt es diese Aktion? 

Das IMS wurde 1983 von der Jugend der österreichischen und italienischen Assoziation des Malteserordens ins Leben gerufen. Aus den jährlichen Lourdes-Wallfahrten entstand der Wunsch und wuchs die Idee, auch andere Länder zu entdecken und sich gegenseitig zu besuchen. Das IMS war geboren.

War das IMS schon einmal in Deutschland? 

Ja, 1995 in der Nähe von Augsburg und 2005 im Zuge des Weltjugendtages zwischen Aachen und Köln.

Wieso findet es 2019 in Deutschland statt? 

Das ist eine berechtigte Frage. Ganz generell war es natürlich wieder höchste Zeit, dass Deutschland Gastgeber dieser wunderbaren Ferienwoche wird. Allerdings, dass es doch so schnell ging, geht auf den spontanen Rückzug eines anderen Landes zurück. Im Frühjahr 2018 wurde also fieberhaft nach einem Land gesucht, das das IMS in so kurzer Zeit auf die Beine gestellt bekommt. Und das wurde dann wohl den Deutschen zugetraut.

Man muss dazu sagen, dass die Organisation eines solchen Camps normalerweise 3 Jahre Zeit in Anspruch nimmt. Wir müssen es in 15 Monaten schaffen. Eine Mammutaufgabe, der wir uns gerne stellen.   

Wer organisiert das IMS?

Das IMS wird organisiert von der Gemeinschaft junger Malteser, einer Gemeinschaft von jungen Katholiken, die sich in den Auftrag und das Charisma des Malteserordens stellen – sich also dem Dienst an den Armen und Kranken verpflichten, sowie den Glauben in besonderem Maße bezeugen. Wir sind also einerseits eine Glaubensgemeinschaft und andererseits widmen wir uns in vielen Projekten in Deutschland, im Libanon und in Rumänien dieser Arbeit. Wie beim IMS auch. Alle unsere Projekte sieht man übrigens auf unserer Homepage gjm-online.de.  

Hinter dem IMS steht der Malteserorden. Welche Ziele verfolgt er? 

Richtig, der Träger des IMS ist der Malteserorden, ein über 900 Jahre alter Laienorden. Der Malteserorden ist in 120 Ländern aktiv und hilft Menschen in Not durch seine medizinische, soziale und humanitäre Arbeit. Tag für Tag kann er den von der Gesellschaft ausgeschlossenen Menschen mit seinem breiten Spektrum an sozialen Projekten kontinuierliche Unterstützung bieten. Der Malteserorden setzt sich weltweit für die Wahrung der Menschenwürde und Unterstützung von Hilfsbedürftigen, ungeachtet ihrer Religion und Herkunft, ein. Die Deutsche Assoziation ist außerdem Initiatorin und Trägerin der Malteser Deutschland gGmbh mit ihren Tochtergesellschaften und des Malteser Hilfsdienstes. Dieser ist als Rettungsdienst und Katastrophenschutz den Meisten bekannter als der Orden selbst.

Wieso findet das IMS in Ettal statt? Was sind die Vorteile?

Wir freuen uns, mit Ettal einen Ort des Glaubens für das IMS gewonnen zu haben. Als Orden fühlen wir uns den Benediktinern sehr verbunden und es ist großartig, das IMS an einem Ort machen zu können, wo der katholische Glaube so sichtbar gelebt wird.

Was wir unseren internationalen Gästen zudem bieten möchten ist ein „real German experience“. Ettal vereint schon auf eine äußert schöne und kitschige Weise die Klischees von Deutschland: ein Dorf mit Holzhäusern, die Berge, die Brauerei, das barocke Kloster – außerdem gibt die als Urlaubsregion bekannte Gegend unglaublich viele Ausflugsziele her. Wir glauben, den internationalen Gästen damit einen Urlaub zu ermöglichen, den sie nie vergessen werden.

Wie wird das IMS finanziert? 

Einerseits zahlen alle Teilnehmer – egal ob Gast, Helfer oder Staff – einen Teilnehmerbetrag für die Woche. Damit werden aber nur etwa ein Viertel der Kosten gedeckt, der Rest wird durch Sach- und Geldspenden finanziert. Wir sind junge Menschen, die teils noch in Studium sind oder erst am Anfang unseres Berufslebens stehen und allein während der Ferienwoche 40.000 ehrenamtliche Stunden leisten, da ist die ganze Vorbereitung noch gar nicht eingerechnet. Wir sind also auf der Suche nach Menschen, die vielleicht keine Zeit haben beim Sommerlager teilzunehmen, wohl aber durch finanzielle Unterstützung Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen möchten.

Wie wird die Woche aussehen?

Hier will ich natürlich nicht zu viel erzählen, es soll ja auch eine Überraschung werden. Es wird aber auf jeden Fall ein abwechslungsreiches Programm von Action über Museumsbesuche bis zu Disko fast jeden Abend! Indoor Skydiving, Tubing, Schiffsimulatoren, Live-Bands, Motto-Abende, Festivals, Ferrari-Spritztouren gab es in den vergangenen Jahren – um nur ein paar Beispiele zu nennen.  

Ein Ausflug nach München mit allen Teilnehmern ist auch geplant. Uns ist es wichtig, mit dem IMS zu zeigen, wie Inklusion funktionieren kann. Wir wollen die Blickrichtung des öffentlichen Diskurses ändern und zeigen, welche Vielfalt an Dingen mit Menschen mit Behinderung möglich sind – und das vermeintlich Unmögliche möglich machen. Ihnen einen Platz in der Gesellschaft geben, auf dem Ihnen auf Augenhöhe begegnet wird.   

Vielen Dank für das Gespräch.

 

 

Wer das Malteser Sommerlager finanziell unterstützen möchte, kann das über:

Spenden an: Internationales Malteser Sommerlager, IBAN: DE13 3706 0193 0030 1472 94, BIC: GENODED1PAX

Kontakt: Amelie v. Aulock (geb. Krecu), campleader@maltacamp2019.de , 0151-5547-1361

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Benedikt Bögle (XCIV)