Leben im Internat heute: Wochenenden und Smartphones

13.04.2018

„Was? Das hätte es bei uns damals nicht gegeben!“ Diesen Satz hört man häufig, wenn man ehemalige Schüler durch das Internat führt. Manchmal schwingt darin Missbilligung mit, manchmal Neid über die Gnade der späten Geburt, manchmal ist es einfach nur Erstaunen. Fakt bleibt: Es hat sich einiges verändert im Internatsalltag. Pater Benno berichtet in einer Serie aus drei Beiträgen, wie der Alltag im Internat heute aussieht.

Wochenenden

Für einige der Schüler – und auch für manche der Eltern – die interessanteste neue Möglichkeit ist die Neuregelung der freien Wochenenden. Während in der Vergangenheit die Schüler pro Halbjahr ein oder zwei Heimfahrtswochenenden hatten, können sie seit dem Schuljahr 2017/18 an fast jedem Wochenende nach Hause fahren. Für die Unterstufe ist das besonders relevant, da sie ja samstags keinen Unterricht mehr hat. Zwar müssen sie am Freitag noch die Hausaufgaben erledigen und das Zimmer ordentlich hinterlassen, dann haben sie aber von ca. 15:30 Uhr an ein wirklich freies Wochenende. Gerade für die Eltern von zukünftigen Internatsschülern der Unterstufe ist diese Möglichkeit eine positive Entscheidungshilfe für das Internat Ettal. Das Kind ist schulisch versorgt, manches Konfliktpotential konnte man damit outsourcen und am Wochenende ist es weiter in der Familie und im alten Freundeskreis. Der Weg ins Internat ist damit kein so radikaler Schritt mehr, wie er es vorher war.

Jedes Wochenende können die Kinder aber auch im Internat bleiben. In der Unterstufe wird Freitag Abend dann meistens ein Film geschaut, Samstag früh (um 09:00 oder 09:30) wird gemeinsam gebruncht. Und dann wird je nach Bedarf etwas unternommen. Skifahren oder Rodeln, Ausflüge oder gemütliche Brettspieltage sind dabei nur einige der Möglichkeiten. Für jedes Wochenende gibt es ein buntes Programm, das auch für die älteren Schüler offen ist. An manchen Wochenenden, den sogenannten „Internatswochenenden“, legen wir allerdings Wert darauf, dass nach Möglichkeit alle Internatsschülerinnen und -schüler in Ettal bleiben, damit die Gemeinschaft gestärkt wird und wir auch altersübergreifende Aktionen durchführen können. So waren wir schon beim gemeinsamen Rafting, besuchen jeweils mindestens einmal im Jahr Theateraufführungen, Konzerte oder Museen an den Kulturwochenenden und haben vor kurzem erst die Naturrodelbahn Unterammergau zu einem Internats-Rodel-Rennen genutzt. Ein besonderes Highlight sind die Koch-Wochenenden, an denen immer eine Gruppe für alle anwesenden Schüler die Versorgung übernimmt. An diesen Wochenenden ist zwischen Sushi und Putenrollbraten, zwischen Tiramisu und Kaiserschmarrn alles möglich.  

Das Ende jedes Wochenendes – und der Beginn der neuen Schulwoche – ist immer die gemeinsame Eucharistiefeier. Jeden Sonntagabend trifft sich die Internatsgemeinschaft um 20:00 Uhr (zwischen Ostern und den Sommerferien um 20:15 Uhr) in der Winterkirche, um in Ruhe und gut gesammelt in die neue Woche zu starten. Für die Internatsschüler ist die Messe der verbindliche Anreisezeitpunkt nach dem freien Wochenende, für ihre Eltern oder Familien aus der Umgebung ein guter Start in die neue Woche.

Medien-Nutzung im Internatsalltag

Noch einen Bereich gibt es, der sich im Internatsalltag heute ziemlich von den früheren Zeiten unterscheidet. Smartphones, Tablets oder jede Form von iPods, iPads oder ähnlichem gehören zumindest außerhalb von Ettal zum Alltag von Heranwachsenden. Und in Ettal? Uns ist es wichtig, dass die technischen Geräte nicht zum Mittelpunkt des Lebens und der Kommunikation werden. Wir können und wollen sie aber auch nicht aus dem Alltag verbannen. Deshalb gibt es nach je nach Klasse unterschiedliche Nutzungszeiten.

Bis zur 9. Klasse müssen die Geräte abends beim Präfekten abgegeben<s>e</s> werden (,um zumindest die Möglichkeit für ausreichenden Nachtschlaf zu schaffen).

Die Unterstufe kann sich die Handys in der Regel nach dem Abendessen abholen. Die Fünftklässler einmal, die Sechstklässler zweimal pro Woche, und die Siebtklässler können ihr Handy jeden Abend nutzen. In dieser Zeit sollten Sie den Kontakt zu Eltern und Freunden pflegen, sie dürfen es aber auch zum Spielen und Musikhören nutzen. Von Freitagnachmittag bis Sonntagabend haben sie es tagsüber durchgängig und müssen lediglich nachts darauf verzichten. Die Acht- und Neuntklässler können sich ihre Handys jeden Tag nach dem Mittagessen holen und müssen es vor dem Schlafengehen abgeben.

Ab der zehnten Klasse hoffen wir auf einen verantwortlichen und reifen Umgang mit diesen Geräten, so dass die Geräte zumindest im Normalfall nicht mehr eingesammelt werden müssen. Das klingt unübersichtlich? Es ist aber eigentlich recht praktikabel und wir Präfekten nutzen dies auch immer wieder, mit den Kindern über einen reflektierten Umgang mit diesen Medien zu sprechen. Ziehst du Handyspiele Brettspielen vor? Ist „Fifa“ auf der Playstation besser als Fußball in der Internats-Sporthalle? Dies und vieles mehr ist als Teil einer zeitgemäßen Erziehung immer wieder auch Thema mit Schülern und Eltern.

Ausblick

Und jetzt? Wie geht es weiter? Vieles wird die Zeit zeigen. Wir Präfekten sind uns sicher – und werden immer wieder darin bestärkt – dass wir diese und ähnliche Veränderungen und Anpassungen brauchen, um den Grundwerten unserer Pädagogik auch in unserer Zeit treu bleiben zu können. Wahrscheinlich werden auch unsere aktuellen Schüler in einigen Jahren den Präfekten sagen: „Was, das hätte es bei uns nicht gegeben.“ Aber gleichzeitig werden sie feststellen: Es ist „ihr Internat“ geblieben.  

 

 

Über den Autor: Pater Benno kommt ursprünglich aus Berlin, hat in Erfurt, Rom und Münster Theologie studiert und dann als Jugendreferent im Bistum Dresden-Meißen gearbeitet. Auch wenn er schon in Erfurt mit einem Ettaler Benediktiner (P. Thaddäus) zusammen studiert hat, hätte er damals nie gedacht, dass er selbst mal einer werden würde.

Als Jugendreferent ist er dann aber mit dem Kloster Wechselburg und der Regel des Heiligen Benedikt in Kontakt gekommen und hat sich doch auf den benediktinischen Weg gemacht. Seit 2010 ist er im Kloster Ettal, seit 2011 mit Unterbrechungen auch im Internat und im Jahr 2016 ist er zum Priester geweiht worden. In diesem Schuljahr ist er Präfekt im Internat für die Schüler der 5. bis 8. Klasse und unterrichtet die Zusatzstunde Religion in der fünften Klasse.

Pater Benno im Unterricht

Dieser Text stammt aus der neuen Ausgabe des Ettaler Manndls, das in den nächsten Wochen erscheinen wird. 

Ein Bestellformular für dieses Jahrbuch mit Gedanken und Geschichten aus Ettal findet sich unter diesem Link: BESTELLFORMULAR 

  

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Pater Benno Rehländer OSB