Leben im Internat heute: Altersgemischtes Studium und Internationalität

06.04.2018

„Was? Das hätte es bei uns damals nicht gegeben!“ Diesen Satz hört man häufig, wenn man ehemalige Schüler durch das Internat führt. Manchmal schwingt darin Missbilligung mit, manchmal Neid über die Gnade der späten Geburt, manchmal ist es einfach nur Erstaunen. Fakt bleibt: Es hat sich einiges verändert im Internatsalltag. Pater Benno berichtet in einer Serie aus drei Beiträgen, wie der Alltag im Internat heute aussieht.

Altersgemischtes Studium

Auch die Hausaufgaben werden mittlerweile nicht mehr nur im Klassenverband gemacht. Im Studiersaal sitzen Schülerinnen und Schüler der 5. bis 9. Klasse gemeinsam, auch Schüler aus den höheren Klassen können dazukommen, wenn sie – oder ihre Eltern und Präfekten – den Bedarf dafür sehen. In der Studierzeit, die – damit sind wir zu der guten alten Tradition zurückgekehrt – um 16:30 Uhr für alle Internen beginnt, sollen die Schüler zuerst das ausgefüllte Hausaufgabenheft vorzeigen, sich dann überlegen, ob sie bei einer der Hausaufgaben Unterstützung brauchen und anschließend im Silentium konzentriert arbeiten. Am Ende des Studiums zeigen sie ihre Hausaufgaben vor, lassen sich – bevorzugt lateinische – Vokabeln abfragen und sind dann wohl mit ihren Aufgaben fertig. Das in den vergangenen Jahren von manchen gefürchtete Abendstudium brauchen wir mittlerweile (fast) nicht mehr. Die Studierzeit wird meist konzentriert und effektiv gefüllt, zumindest wenn die Lehrer genügend Hausaufgaben gegeben haben.

Internationalität

Seit einigen Jahren hat sich auch die internationale Zusammensetzung unserer Schülerschaft verändert. So haben wir in diesem Jahr Schülerinnen und Schüler aus Vietnam, Mexiko, USA, Spanien, China und Deutschland unter einem Dach, dazu Freiwillige aus Kolumbien und Mexiko. Diese Mischung ist vor allem bereichernd, da sich über die Ländergrenzen hinweg gute Kontakte und interessante Begegnungen ergeben. Und da die Schüler aus so unterschiedlichen Regionen kommen, ist die gemeinsame Sprache in der Regel deutsch. Die meisten dieser ausländischen Schüler bleiben für ein Jahr, um hier vor allem Deutsch zu lernen. Einige - besonders unsere chinesischen Schüler - planen, bis zum Abitur in Ettal zu bleiben. Um die Eingliederung zu unterstützen, stellt uns die Deutsche China-Gesellschaft, die die Partnerschaft mit den Schulen in Hangzhou eingefädelt hat, eine chinesische Kollegin an die Seite, die in Deutschland studiert hat und mit den deutschen Präfekten zusammen die chinesischen Schüler betreut. Besonders für den Kontakt mit den Eltern, die in der Regel kaum Englisch und kein Deutsch sprechen, brauchen wir Präfekten ihre Unterstützung, den Schülern hilft sie bei der Erledigung der Hausaufgaben oder bei der Eingewöhnung in die kulturellen Besonderheiten eines bayerischen Benediktinerinternates. Auch wenn wir noch in einer gegenseitigen Gewöhnungs-Phase sind, freuen wir uns doch über die Bereicherung und sind gespannt, wie sich das Projekt der Partnerschaft weiter entwickelt.

Tagesheim

Großen Zulauf fand in den vergangenen Jahren wieder die Nachmittagsbetreuung, bei uns „Tagesheim“ genannt. Besonders in den unteren Klassen wird die Möglichkeit, nach dem Mittagessen die Hausaufgaben im Internat zu machen und auch miteinander Sport- und Freizeitangebote zu nutzen, gerne wahrgenommen. Die Schülerinnen und Schüler können da zwischen verschiedenen Stufen der Betreuung wählen. Es können 3 Tage oder 5 Tage gebucht werden, an denen man bis ca. 17:00 Uhr in Ettal bleiben kann und betreut wird (inklusive Kaffeepause). Dazu kommt der alte Status „halbintern“, der besagt, dass man zusätzlich bis 18:00 bleiben kann – nicht muss – und einmal die Woche im Internat übernachtet.

Der Nachmittag im Tagesheim besteht zwar vor allem aus Studium, bevor es damit losgeht, gibt es aber natürlich erstmal eine Stärkung, die man mit den internen Schülern in der Zeit zwischen 12:30 und 13:30 im Speisesaal einnehmen kann. Um den unterschiedlichen Zeitwünschen zu entsprechen, kann jeder innerhalb dieses Zeitkorridors zum Mittagessen kommen, wann er will. Danach steht das „Auslüften“ auf dem Programm, d.h. ein Bewegungsangebot, das dabei helfen soll, nach einem immer wieder auch anstrengenden Schultag das Gehirn durchzulüften und durch die Bewegung zu neuem Tun anzuregen.

Für Tagesheimer und Internatsschüler gleichermaßen sind nachmittags immer wieder Lehrer im Internat, die fachspezifische Intensivierungen anbieten. In diesem Schuljahr gibt es Intensivierungen in den Fächern Mathe, Englisch, Französisch, Latein und Deutsch. Je nach Bedarf werden diese Angebote auf konkrete Gruppen (z.B. Deutsche Rechtschreibung für Kinder mit Lese-Rechtschreib-Schwäche, Latein lernen für 5.-Klässler, Französisch-Basics für 8./9.-Klässler) zugeschnitten.

 

 

Über den Autor: Pater Benno kommt ursprünglich aus Berlin, hat in Erfurt, Rom und Münster Theologie studiert und dann als Jugendreferent im Bistum Dresden-Meißen gearbeitet. Auch wenn er schon in Erfurt mit einem Ettaler Benediktiner (P. Thaddäus) zusammen studiert hat, hätte er damals nie gedacht, dass er selbst mal einer werden würde.

Als Jugendreferent ist er dann aber mit dem Kloster Wechselburg und der Regel des Heiligen Benedikt in Kontakt gekommen und hat sich doch auf den benediktinischen Weg gemacht. Seit 2010 ist er im Kloster Ettal, seit 2011 mit Unterbrechungen auch im Internat und im Jahr 2016 ist er zum Priester geweiht worden. In diesem Schuljahr ist er Präfekt im Internat für die Schüler der 5. bis 8. Klasse und unterrichtet die Zusatzstunde Religion in der fünften Klasse.

Pater Benno im Unterricht

Dieser Text stammt aus der neuen Ausgabe des Ettaler Manndls, das in den nächsten Wochen erscheinen wird. 

Ein Bestellformular für dieses Jahrbuch mit Gedanken und Geschichten aus Ettal findet sich unter diesem Link: BESTELLFORMULAR 

  

zurück zur News Übersicht

Pater Benno Rehländer OSB