Zwischennutzung der Schule in den Sommerferien: Größtes Jugendlager für Menschen mit Behinderung in Ettal

10.08.2019

Kamele traben durch den Ettaler Innenhof, ein Eiswagen steht im Eck, eine Schlange windet sich gemächlich um Schulter und Arme junger Menschen. 500 Teilnehmer aus der halben Welt verbrachten eine Woche Urlaub im Benediktinerkloster Ettal. Das Besondere daran: Es handelte sich dabei um das weltweit größte Ferienlager für Menschen mit Behinderung. Organisiert wurde es von einer Altettalerin.

Zum sechsunddreißigsten Mal fand das „Internationale Malteser Sommerlager“ (IMS) – kurz auch einfach Maltacamp – statt. Die Jugendorganisation des Malteserordens veranstaltet eine Woche Urlaub für Menschen mit und ohne Behinderung. Aus insgesamt 26 Ländern kamen die Teilnehmer, veranstaltet wird das Camp immer von einem anderen Land. Nach 14 Jahren war Deutschland wieder an der Reihe. Amelie von Aulock (Absolvia XCIII) ist die Organisatorin des Camps – und brachte es an ihre ehemalige Schule nach Ettal.  Am dritten August ging es für die Teilnehmer los. Eine Woche verbrachten sie auf dem Gelände von Kloster, Schule und Internat in Ettal: 23 Länder waren mit einem eigenen Team dabei. Die Gruppen kamen aus den USA und dem Libanon, aus Polen und Tschechien, Frankreich und Spanien.

„Das Maltacamp ist die größte Ferienfreizeit für Menschen mit Behinderung weltweit“, sagt Amelie von Aulock. Die Organisatoren wollten eine Woche lang das Unmögliche möglich machen. Und das haben sie tatsächlich geschafft: Menschen mit und ohne Behinderung konnten gemeinsam auf der Loisach raften gehen, in München die Allianz-Arena und das BMW-Museum besuchen, Gleitschirmfliegen und Indoor-Skye-Diven. An zwei Tagen verließen die Teilnehmer Ettal und besuchten gemeinsam Schloss Herrenchiemsee und München.  Ein riesiger organisatorischer Aufwand, den das Team des Maltacamps stemmen musste. In den Räumlichkeiten von Schule und Internat schliefen die Teilnehmer, auf dem Gelände der Landesausstellung war der Speisesaal.

Innenminister Herrmann begeistert vom Sommerlager

15 Monate lang bereiteten sich die Malteser auf das Großevent vor. Normal wären eigentlich drei Jahre, das eigentlich für 2019 vorgesehene Gastgeberland musste allerdings abspringen. „Im Frühjahr 2018 wurde also fieberhaft nach einem Land gesucht, das das IMS in so kurzer Zeit auf die Beine gestellt bekommt. Und das wurde dann wohl den Deutschen zugetraut“, sagt von Aulock. Das Projekt fand dabei auch in der Politik Beachtung. Innenminister Joachim Herrmann besuchte die Teilnehmer am vergangenen Mittwoch bei ihrer Messe in der Münchner Theatinerkirche und zur abendlichen Andacht in der Ettaler Basilika. Auf seinem Facebook-Account berichtete er über das Maltacamp: „Ich freue mich außerordentlich, dass heuer das 36. internationale Maltacamp mit vielen jungen Menschen in Bayern stattfindet. Wir möchten ihnen zeigen, dass körperliche oder geistige Beeinträchtigungen keine Hürden für Spaß, Freude und Freundschaft sind. Wir präsentieren Bayern von seiner besten Seite.“

„Findet Gott im Anderen“

Auch der Großmeister des Malteserordens, Giacomo Dalla Torre del Tempio di Sanguinetto besuchte das Camp in Ettal. In seiner Ansprache an die Teilnehmer sagte er: „Ihr verbringt das Maltacamp in Ettal an einem Ort, an dem die Benediktinermönche seit beinahe 700 Jahren mit einer kurzen Unterbrechung nach Gott suchen. Sucht den Herrn in der Heiligen Messe, sucht ihn im Gebet, sucht ihn aber auch in Eurer Gemeinschaft: Findet Gott im Anderen.“ Auch die Ettaler Mönche freuten sich über die wohl einmalige Gelegenheit, Gastgeber eines so großen inklusiven Jugendlagers zu sein. Abt Barnabas Bögle sagte. „Gastfreundschaft ist ein wesentliches Kennzeichen für einen Jesus-Jünger. Für uns ist es eine ganz großartige Sache, dass mit dem Maltacamp so viele junge Menschen bei uns zu Gast sind.“

Sorge für die Bedürftigen

Der Malteserorden hat sich der Pflege des katholischen Glaubens verschrieben, aber auch dem Schutz aller Bedürftigen verschrieben. Der Orden entstand im Mittelalter in Jerusalem, als der selige Gerhard in Jerusalem ein Spital gründete, um dort alle behandeln zu können, die der Hilfe bedurften – unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Alter, Geschlecht oder Religionszugehörigkeit. Bis heute ist dies das Ideal des Malteserordens, der sich in den unterschiedlichsten Projekten um Menschen mit Behinderung sorgt. 

Das Maltacamp in Ettal wollte Grenzen niederreißen: Grenzen zwischen Menschen mit und ohne Behinderung, zwischen dem, was für Menschen mit Behinderung möglich ist und was nicht. Das ist in ihnen gelungen – mit viel persönlichem Einsatz, Liebe und Menschlichkeit. Abt Barnabas zieht ein sehr positives Fazit der Woche: „Die Woche mit dem Maltacamp und 500 Gästen, die Tag und Nacht bei uns waren, eine große Herausforderung. Aber viel mehr noch ein großes Geschenk, mit so vielen fröhlichen Begegnungen mit Jugendlichen aus so vielen Ländern und Nationen.“

Mehr Informationen und Videomaterial unter: www.maltacamp2019.de

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Benedikt Bögle (XCIV)